ÜBER MICH > INTERVIEW

 

Was macht die Frau Magistra genau?

Ich unterstütze Menschen auf ihrem Weg zur freien Lebens- und Beziehungsgestaltung. Dadurch erkennen sie ihre persönlichen Ressourcen sowie die aus ihrem Umfeld. Als Ziel gilt es, Klarheit und Übersicht in ihrer jetzigen Lebenssituation zu gewinnen und wieder handlungsfähig zu werden. Im Bereich Krisenintervention – ob bei Veränderungskrisen oder nach einem Verlust oder in der Krankheitsbewältigung - habe ich bereits vielen Menschen, nicht zuletzt auch während meiner Tätigkeit als klinische Psychologin im Krankenhaus Eisenstadt und als Psychologin beim Kriseninterventionszentrum, helfen können. Nicht immer reichen wenige Stunden für eine Neuorientierung aus, z.B. wenn bereits psychische Erkrankungen wie Angststörungen, Depressionen oder psychosomatische Erkrankungen gegeben sind. In diesem Fall begleite ich den psychotherapeutischen Prozess der Veränderung in Richtung Genesung, Linderung der Symptomatik oder um einen besseren Umgang mit der Erkrankung zu finden, damit wieder Lebensgestaltung möglich wird.

 

Was behandeln Sie nicht?

Ich behandle keine Kinder und keine Menschen mit einer demenziellen, psychotischen, schizophrenen Erkrankung, Drogensucht, schweren Persönlichkeitsstörungen und auch keine Gewalttäter. Ich habe kaum Erfahrung im Bereich Zwangserkrankung. Ich habe zwar Coaching, Supervision, Beratung und Diagnostikerfahrung, habe mich aber entschieden, dies nicht in meiner Praxis in Groß-Enzerdsdorf anzubieten. Gerne verweise ich an kompetente Kolleginnen und Kollegen, oder Beratungsstellen die sich auf diese Gebiete spezialisiert haben. Es ist mir wichtig, dass jeder Mensch den für ihn passenden Spezialisten oder die für ihn passende Spezialistin findet.

 

Was ist Ihre Berufsbezeichnung?

Ich bin als klinische Psychologin, Gesundheitspsychologin und Psychotherapeutin tätig. Nach meiner Ausbildung an der Universität Wien habe ich eine postgraduelle Ausbildung zur Klinischen und Gesundheitspsychologin sowie Psychotherapeutin gemacht. Durch meine jahrelange Tätigkeit als mitverantwortliche klinische Psychologin des Krankenhauses Eisenstadt habe ich gelernt, "notfallsmäßig" bei Patienten, die unter großem Druck stehen, professionell und Halt gebend zu intervenieren. Ich habe interdisziplinäres Arbeiten gelernt, diagnostische Erfahrung gesammelt und längerfristige psychotherapeutische Prozesse begleitet, sei es bei Menschen mit psychosomatischer Problematik oder bei Krebs.

 

Wo sind Sie derzeit tätig?

Ich war bis zuletzt in Eisenstadt im Krankenhaus tätig. Seit 2009 arbeite ich wieder im Kriseninterventionszentrum in Wien, führe aber auch eine Privatpraxis. Es ist mir wichtig, Patienten auch abseits der offiziellen Institutionen persönlich beraten und behandeln zu können.

 

Wo haben Sie bisher am meisten gelernt?

Der größte Lehrmeister war bzw. ist das Leben selbst. Der Dienst im Krankenhaus wie auch im Kriseninterventionszentrum war eine harte Schule, die für mein Fachwissen und meine Erfahrung unersetzlich sind.

 

Würden Sie sich als "geerdet" bezeichnen?

Fragen Sie meine Klienten und Klientinnen. Sie fühlen sich bei mir gut aufgehoben. Ich bin authentisch und glaubwürdig durch meine Ausbildung, meine berufliche Erfahrung, aber auch durch meine Lebenserfahrung. Mir kann man vertrauen. Meiner Tiroler Herkunft verdanke ich meine Erdung und Naturverbundenheit, meinem Auszug in die Ferne meine Erfahrung und Lebensperspektiven, die ich in meinem Beruf nütze.

 

Was ist Ihr "Markenversprechen" – warum ist Ihre Behandlung sinnvoll?

Ich helfe Menschen ihren Weg zu finden, durch professionelles Fachwissen und mit speziellen wissenschaftlich fundierten Methoden. Von der Außen- zur Selbstbestimmung zu kommen ist das Ziel. Es gilt, Dynamiken herauszufinden und die Schätze der Vergangenheit zu heben.

 

Muss man Angst haben, wenn man zu Ihnen kommt?

Nein. Es muss Leidensdruck oder Interesse da sein. Oder eine Symptomatik beeinträchtigt so massiv, dass die Alltagsgestaltung nicht mehr möglich ist. Viele Patienten kommen, weil die Depression schon so arg ist, dass die Arbeit beeinträchtigt wird oder der Chef einen kündigen will. Oder der Partner nicht mehr mitmacht. Viele haben dann Angst, dass sie schwach sind. Aber die meisten Leute, die sich Unterstützung holen, sind die, die stärker sind. Es beweist Stärke, dass man zu eigenen Schwächen und Problematiken steht.

 

Beschreiben Sie Ihren Werdegang, was ist Ihre "Basis"?

Bei meiner heutigen Tätigkeit als Klinische- und Gesundheitspsychologin und Psychotherapeutin gelten für mich als Basis nicht nur mein Psychologiestudium und meine facheinschlägigen Ausbildungen und beruflichen Tätigkeiten, sondern auch meine Lebenserfahrung.

 

Wodurch wurde Ihre Persönlichkeit geformt?

Meine Persönlichkeit wurde geformt durch mein Aufwachsen in einer Großfamilie in Tirol, meine Freunde und Menschen die mir im Laufe meines Lebens begegnet sind und die mich im innersten meiner Seele berührt haben, meine Reisen, einen 3jährigen Aufenthalt in den USA (Berkeley, Kalifornien), meinen Erstberuf als Kunstglaserin und viele diverse Nebenjobs: als Bürokraft, Hilfsarbeiterin, Reinigungskraft, Betreuerin bei Kindern und Menschen mit Behinderungen, als Kellnerin und – als echte Tirolerin ist das klar! – als Schilehrerin.

 

Was hat Kunstglaserei mit Psychologie gemeinsam?

Wenn man gut sein will, sind Kreativität, Genauigkeit, Konsequenz, Fachwisssen und Praxisrelevanz grundlegend wichtig, um beispielsweise ein Fenster aus Bleiverglasung oder eine Glasfassade für ein Gebäude zu machen. Wie beim Glas muss man auch überlegen, was will man sichtbar gestalten und was möchte man schützen. Nicht nur mit Glas muss man behutsam umgehen auch die Seele ist verletzlich. Aus vielen verschiedenen bunten Gläsern - aus manch Bruchstücken - kann ein wunderbares Fenster kreiert werden, wodurch für den Betrachter ein wundervolles Farbenspiel und Raumatmosphäre entstehen kann. In der psychotherapeutischen Arbeit sind es häufig viele Bruchstücke aus dem Leben von Menschen, mit denen man ganz behutsam ein neues Gesamtlebenspuzzle zusammenstellt und es erst aus der Distanz selber betrachten und schätzen kann.

 

Was unterscheidet Sie von Kollegen und Kolleginnen?

Meine bisherige Lebensgeschichte ermöglicht mir, Klienten und Klientinnen fundiert zu beraten und zu behandeln und auch wirklich dort abzuholen, wo sie sind: mitten im Leben, mit realen Problemen und "Macken". Ich sag immer, einen kleinen "Pascher" hat jeder, das macht uns erst so liebenswert.

 

Gehören "Macken" weggemacht?

Solange einem die persönlichen "Macken" nicht in der Lebens- und Beziehungsgestaltung behindern machen manchmal gerade diese unser Einzigartigkeit aus. Psychotherapie ist nicht Wellness, sondern ist ein hartes Stück Arbeit, da man auch zu den dunklen Flecken seiner Seele hinkommt und seinen eigenen Schattenseiten begegnet.

 

Da könnte man doch fallen!

Ja, wenn man mutig ist, kann man auch fallen. Psychotherapie gibt einen geschützten Rahmen durch Verschwiegenheit und Vertrauen. Mit der Psychotherapie ist es ein wenig wie beim Klettern. Wobei der Berg eher für Emotionen steht. Bevor man schwierigere Grade in Angriff nimmt, schaut man, was man schon kann, welche Techniken und Ressourcen man mitbringt und wo man hin möchte. Der Klient oder die Klientin steigt vor und ich als Psychotherapeutin sichere am Seil und unterstützte den "Vorsteiger" bzw. die "Vorsteigerin bei dem was sie tun. Sie entdecken Hindernisse und eigene Kräfte, wenns kompliziert wird diskutieren wir über Möglichkeiten und wenn eine Überschätzung der eigenen Fähigkeiten oder ganz "unkletterbares Gebiet" ansteht mache ich sie auf die Realität aufmerksam und weitere Sicherheitsmassnahmen werden besprochen. Im Rahmen der Psychotherapie handelt es sich dabei zumeist um den Umgang mit Emotionen, die einen überfordern. Emotionen sind jedoch der Motor unserer freien Lebensgestaltung, das heisst, wir sollen auch alle verschiedensten Emotionsqualitäten kennen und mit ihnen umgehen gelernt haben. Von Angst über Wut, Ekel, Eifersucht, Scham, Freude, Trauer, Glück , usw. Im Gegensatz zum Klettern sind daher Stürze zwar unangenehm aber nicht lebensbedrohlich sondern ermöglichen uns Lernerfahrung. Das heisst, wenn man Sicherheit im Umgang mit einer Emotion erlangt bedarf es keines Seils mehr. Es kann jedoch nur bearbeitet werden, was der oder die Einzelne im therapeutischen Rahmen mitbringt.

 

Warum soll man in Psychotherapie gehen?

Das muss jeder für sich selbst beantworten. Wenn man es schafft, liebevoll seine eigenen Macken anzunehmen und mithilfe seiner Emotionen sich selber besser versteht und in der Lebensgestaltung sie zu verwenden weiss, kann man viel besser leben. Alles andere, wie Verdrängung oder Verleugnung, kostet viel Kraft und Energie.

 

Wie wichtig ist ein wissenschaftliches Studium für Ihre Tätigkeit?

Ein wissenschaftliches Studium halte ich für unabdingbar als Rüstzeug für die Praxis, die ich zuletzt viele Jahre als verantwortliche klinische Psychologin und Psychotherapeutin im Krankenhaus Eisenstadt und auch in der Kriseninterventionsstelle gesammelt habe. Diese Tätigkeiten zeigen mir immer aufs Neue, dass man als Einzelperson eine Veränderung bewirken und dazu beitragen kann, Menschen zu unterstützen, indem man rechtzeitig, entschieden und kompetent einschreitet.

 

Wie kamen Sie zur Psychotherapie?

Mein anfängliches Interesse für Wirtschafts- und Organisationspsychologie wurde immer mehr von klinischen Fragestellungen abgelöst. Im Rahmen meines Praktikums im Personalentwicklungsbereich bei der ÖBB, bekam ich die Möglichkeit einer LaienhelferInnenausbildung und in der Folge entschied ich mich für einen Klinisch psychologischen Werdegang. Im Rahmen meiner praktischen Tätigkeiten ging mein Blickpunkt von Diagnostik immer mehr in Richtung Behandlung. Klinisch psychologische Behandlung zeichnet sich dadurch aus, dass verschiedene wissenschaftlich untersuchte Ansätze angewendet werden - so auch aus verschiedensten Psychotherapierichtungen wie Verhaltenstherapie, Psychoanalyse, Familientherapie oder auch Psychodrama. Da für mich die interpersonelle Beziehung schon immer eine große Rolle spielte, war für mich Selbsterfahrung, Voraussetzung für meine klinisch psychologische Tätigkeit. Da diese nicht im Rahmen der Ausbildung angeboten wird, entschied ich mich für eine zusätzliche Psychotherapieausbildung.

 

Wie kamen Sie auf "Psychodrama"?

Psychodrama begegnete ich erstmals in einer Selbsterfahrungsgruppe zur "Spurensuche". Der Ansatz, dass die Lösung in mir liegt, dass Begegnung einen heilenden Aspekt in sich trägt und dass ICH über mein Leben und meine Verhaltensweisen Regie führe, sowie dass der Fokus im Hier und Jetzt liegt, war für mich ausschlaggebend. Relevant für meine Entscheidung waren auch der ganzheitliche Ansatz - das Zusammenwirken von Körper, Geist und Seele sowie die verschiedenen kreativen Techniken, die in der therapeutischen Arbeit als Hilfsmittel unterstützend dem Klienten bei der Suche seines Weges Aspekte begreifbarer und sichtbarer machen - wodurch es zu heilsamen Begegnungen mit sich und anderen kommen kann.

 

Wie machen Sie das als Mensch?

Ich würde mich als bodenständig, respektvoll, wertschätzend, geradlinig, positiv und offen beschreiben. Ich beherrsche die Techniken, um unbewusste Prozesse sichtbar zu machen und ans Licht zu holen. Ein guter Blick und eine ungekünstelte Sprache sind das Um und Auf.

 

Ist Psychotherapie eine traurige Angelegenheit?

Gar nicht. Natürlich darf der Humor nicht zu kurz kommen. Feinfühlig sein heißt auch, nicht immer so streng zu sein. Lösungen müssen im Hier und Jetzt gefunden werden, da geht es um die Praxis und um das konkrete Handeln. Manchmal muss man flexibel sein und alte Wertvorstellungen in Frage stellen. Fröhlich und humorvoll zu sein, muss Teil des Lebens sein, davon bin ich überzeugt.

 

INTERVIEW by Dr. Christian Minutilli

 

 

Hier gibt es das gesamte Interview als PDF-Download